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Augenzeugenbericht von den Olympischen Winterspielen in Turin (Bericht von Uli Meier) PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Walter Mühlig   
Samstag, den 25. Februar 2006 um 19:44 Uhr

Nach einer 11-stündigen Nachtfahrt erreichten wir mit unserem Wohnmobil am Samstag, 11.02., 7 Uhr morgens unseren Zeltplatz in Salbertrand. Als frisch gebackene Camper fragten wir uns dabei immer wieder, ob der schöne Satz von Ottfried Fischer sich wohl auch für uns bewahrheiten würde: „Camping ist, wenn man die eigene Verwahrlosung als Erholung empfindet!“

Um es vorwegzunehmen, der absolut saubere Campingplatz mit hervorragenden sanitären Einrichtungen gab uns dazu glücklicherweise keine Gelegenheit.

Kurz eingecheckt, den Wagen abgestellt, Strom angeschlossen und schon ging es mit der Familie von Ricco Groß mit dem Shuttle nach Oulx (ca. 6 km).  Erster Wettkampftag, viele freiwillige Helfer, noch mehr Polizisten und die erste Busfahrt mit „DOM 1“ auf einer schmalen Alpnestraße in die Berge um Cesana. Nach knapp 90 Minuten erreichten wir Pragelato, alles noch ein bisschen chaotisch, eigentlich wusste keiner so recht wo es hingeht.

2 Zigaretten später erreichten wir den Einlass zum Skisprungstadion: Nordische Kombination stand auf dem Programm, kaum Leute an der Kontrolle und zur Begrüßung schenkte mir der Carabinieri bei der Personenkontrolle gleich mal eine Deutschlandfahne (die er jemand anderem aus Sicherheitsgründen abgenommen hatte). Am Imbissstand gleich die nächste Überraschung: Kaffee und Wasser für jeweils 1 ( in Worten : einen) Euro! Dabei hatten wir gelesen, dass die Italiener sicherlich utopische Preise verlangen würden. Wahrscheinlich um den Preisdurchschnitt nicht zu sehr absacken zu lassen, kostet dann aber die Cola € 3,50, Bier € 4 und a nackerte Semmel mit Wurst (auf der Speisenkarte stand „Hot Dog“) € 4,50!

Egal, strahlender Sonnenschein und der Sieg von Georg Hettich sind doch viel wichtiger.

Leider konnte ich meiner Fahne nicht bis zum Abend verteidigen, da mich die vermeintliche Urbesitzerin auf dem Weg zum Langlaufstadion überraschte, mich fast des Diebstahls bezichtigte und ihr offensichtlich wichtigstes Stück zurückforderte. Am Abend zuhause im Wohnmobil angekommen, hieß es duschen, Ramazotti, das obligatorische Schachspiel und Gute Nacht!

Überraschenderweise klappte das eheähnliche gemeinsame Übernachten im Alkoven problemlos. Christian hatte vorsichtshalber seinen MP3-Player dabei, der ihm aufgrund meiner sonoren Atmung in den ersten Nächten auch gute Dienste erwies.

Bis zur Wochenmitte änderte sich wenig: jedem Tag Sonne, spannende Wettkämpfe und unter den Fans eine unglaublich faire und friedliche Stimmung.

Auch der Transport in die Berge klappte von Tag zu Tag besser. Der anfängliche Sturm auf die Busse wich zunehmender Ordnung. Bei den italienischen Polizisten und Carabinieri das gleiche Bild: geordnet zu sechst oder acht am Straßenrand, ließen sie sich durch nichts von der verdienten Zigarette abbringen. Offensichtlich herrschte aber in den Autos Rauchverbot, da in den kalten Nächten nur jeweils einer seiner Passion im Freien nachkam und die anderen bei laufendem Motor sicherlich auf den nächsten dringenden Einsatz warteten.

Das monotone „Signori i Signori“ aus den Lautsprechern an den Wettkampfstätten, das auf die Sicherheitsmaßnahmen hinwies, wird uns wohl auch noch lange im Ohr sein.

Apropos Sicherheitsmaßnahmen: „For security reasons bottles are sold without a cap!“ stand ab Donnerstag auf einem Computerausdruck an allen Imbiss-Stationen. Und so stand ich dann da, im Biathlonstadion mit meinem Regenschirm und der offenen Plastikflasche Wasser und betrachtete jene mit wachsendem Misstrauen, die ihre mitgebrachte Colaflasche völlig ungeniert mit dem Schraubverschluss zudrehten…

Ah, so sehen offensichtlich Terroristen aus!

Geraucht durfte während der Wettkämpfe übrigens auch nicht werden, nicht mal bei den Outdoorveranstaltungen. Ein Zuschauer hinter mir rief im Langlaufstadion sogar einen Ordner, da er nach dem Einatmen meines Zigarillorauches offenbar kurz vor einer Lungenembolie stand.

Ach ja, eine Ausnahme beim Rauchen gab es schon, auch innerhalb der Stadien...... (siehe oben).

In der zweiten Wochenhälfte dann unser persönliches Highlight, das Eishockeyspiel vor fast vollem Haus zwischen Kanada und Deutschland. Auch hier wieder angenehme Nebenklänge: deutsche Fans besangen die vor Ihnen sitzenden kanadischen Curler mit „we love you curling“- einfach klasse!

Trotz der klaren 1:5 Niederlage ein singuläres Event, auch wenn wir nach der Rückfahrt von Turin nach Oulx den Heimweg zum Campingplatz auf Schusters Rappen antreten mussten. Tja, leider gingen ab 23 Uhr weder Shuttle noch Taxis L.  Und ob ihrs glaubt oder nicht, wir haben das in dieser Woche gleich dreimal geschafft !

Ja, auch Christian, dem o’sinitri sei Dank.

Am Morgen des 19.02. ging es dann Richtung Heimat und nach einem kurzen Schreck an einer italienischen Autobahnraststätte, als unser Fiat Ducato-Womo keinen Mucks mehr von sich gab, erreichten wir am Abend glücklich und zufrieden Landshut.

Fazit: Wir haben in dieser aufregenden Woche bei super Wetter Veranstaltungen in 8 verschiedenen Sportarten besucht (Nord. Kombination, Langlauf, Biathlon, Curling, Eishockey, Rodeln, Zweierbob und Alpinski), viele deutsche Medaillengewinner feiern können und tolle Spiele erlebt.

Es hat irrsinnig Spaß gemacht!

 

Uli

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